15. August 2026
Schnee im Sommer, Kräuter und ein Abschied

In der Nähe des römischen Hauptbahnhofs „Termini“ steht eine der ältesten bekannten Marienkirchen des Abendlandes. Die Kirche „Santa Maria Maggiore“ wurde in einer Zeit gebaut, als im 5. Jahrhundert auf einem der ersten Konzilien der Alten Kirche darüber diskutiert wurde, ob man Maria theotókos, also „Gottesgebärerin“ nennen darf. Letztendlich sprach die Kirche klar und deutlich aus, dass Christus wahrhaft Gottes Sohn ist und dass Maria deshalb auch Gott geboren hat.

Die Kirche „Unserer Lieben Frau vom Schnee“ hat ihren Namen von einer Legende: es soll dort am 5. August, mitten im heißen römischen Hochsommer, geschneit (!) haben. Dadurch wollte der Himmel zeigen, wo die Kirche errichtet werden sollte. Auch heute noch fällt dort Schnee: es gibt den schönen Brauch, zum Gloria weiße Blütenblätter von der Decke rieseln zu lassen, um damit an den Schnee zu erinnern, der damals gefallen sein soll.
Beim großen Marienfest am 15. August feiern wir das Werk Gottes unserer Erlösung, das er an Maria zuerst gezeigt hat. Die gute Tradition der Kräuterbuschen, die gesammelt und zu Mariä Himmelfahrt gesegnet werden, drückt aus, dass etwas vom Segen des Sommers und des vergangenen Jahres bewahrt bleibt und fortwirkt.
Auch für mich hat das Jahr, das ich hier in St. Christoph verbringen durfte, viel Segen gebracht, den ich gerne mitnehme, wenn ich nun Ende August in meine neue Pfarre im 20. Bezirk umziehe. Mit diesen Zeilen möchte ich langsam Abschied nehmen und „leise Servus“ sagen. Ich danke euch/Ihnen für alles, was ich hier erleben durfte und dass ich hier meine ersten Schritte als neugeweihter Priester tun durfte. Auf zu neuen Ufern!
Auf euer Gebet vertraut
Kaplan Richard
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