26. April 2026
Liturgie-Serie Teil 5: Der (Altar-) Kuss

Von Leibfeindlichkeit kann in der Kirche gar keine Rede sein, denn bei uns ist das Küssen erlaubt, ja sogar geboten, und das in der Eucharistiefeier! Mindestens drei Mal wird in der Messe geküsst: der Altar am Beginn, das Buch nach der Verkündigung des Evangeliums und am Ende wieder der Altar.
Nun könnte man fragen: Was für einen Sinn macht es, einen Gegenstand wie einen Altar oder ein Buch zu küssen? Wenn wir bei Sportveranstaltungen sehen, wie Athleten ihre Medaillen oder Fußballer innig den Pokal als Zeichen ihres Sieges küssen, können wir es verstehen: der Kuss ist Ausdruck der Liebe und Hingabe. Am Karfreitag haben wir mit einem Kuss das Kreuz verehrt.

Vor allem aber ist der Kuss eine Geste zur Begrüßung und zum Abschied. Galt früher der Altarkuss den in den Altar eingesenkten Reliquien, so wird heute mit dem Altarkuss die Verehrung und Verbundenheit mit Christus ausgedrückt, für dessen Leib der Altar steht.
Paulus schreibt uns: „Grüßt einander mit dem heiligen Kuss!“ (2 Kor 13,12) Damit meint er den Friedensgruß, der ein angedeuteter Kuss auf die Wange ist. Aber auch schon vor Beginn der Liturgie gibt es Küsse: so küsst der Priester die Stola, bevor er sie anlegt, zum Zeichen, dass er aus Liebe zu Christus seinen Dienst ausüben möchte. In den Ostkirchen werden Ikonen und die Bibel geküsst. Manch einer küsst den Ring des Bischofs zum Gruß.
Einem neugeweihten Priester schließlich küsst man nach dem Primizsegen die gesalbten Hände. Es wird also viel geküsst bei uns, sowohl Personen als auch Gegenstände.
Euer Diakon
Richard
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