Wort der Woche

23.1.2022

Ist die Synode ein Parlament?

Immer wieder höre und lese ich die Frage, warum die Kirche nicht „demokratischer“ wird, und warum alles „von oben“ entschieden werden soll. Ich frage einmal positiv: Was sind die Vorteile von Demokratie? Deren gibt es viele. Das Wichtigste ist doch dabei, dass sich das Volk in der Demokratie selbst das Recht gibt, das es befolgen will. Die Gemeinschaft setzt ihre Regeln fest, und nicht ein „Autokrat“, der das Volk womöglich ausnützt und unterdrückt. Doch die größte Stärke der Demokratie ist auch ihre größte Schwäche: Wenn das Recht vom Volk ausgeht, wie ein Leitspruch der Republik Österreich sagt, und es keine Grenzen (zum Beispiel Verfassung, Menschenrechte,…) gäbe, so bräuchte man nur die nötige Mehrheit, um einer Minderheit alles Mögliche aufzuerlegen.

Kommen wir zurück zur Kirche. Warum werden die Päpste, Bischöfe und Priester nicht von den Gläubigen gewählt? Zum einen, weil die Kirche „hierarchisch“ ist. Dieses Wort kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich, dass etwas einen heiligen (hieros) Ursprung (archä) hat. Damit ist schon viel gesagt, denn die kirchliche Hierarchie hat einen heiligen Ursprung, nämlich Christus selbst, der die Zwölf Apostel, und darunter besonders Petrus, persönlich bestimmt hat. Zum anderen, weil die Kirche sich nicht selber „machen“ kann, sondern gänzlich von Gott abhängt. Ihre Hierarchie ist sakramental! Das heißt, dass alle ihre Vorsteher das Sakrament der Weihe empfangen und damit die Gnade erhalten haben, Christus in besonderer Weise darzustellen und zu vertreten. Aber die Geweihten sollen das Werk Christi fortführen, der „nicht gekommen ist, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“. Denn nicht die Priester sind die Kirche, sondern wir alle, alle Getauften! „Parlament“ kommt vom Französischen „parler“, das „sprechen“ heißt. Wenn es darum geht, ob wir als Getaufte alle mitreden und Verantwortung tragen sollen – ja, dann ist die Synode ein Parlament.

Synodale Grüße,

Kaplan Clemens