31. Mai 2026
Liturgie-Serie Teil 10: Harte Kämpfe um die Wassertropfen

Wenn wir unsere Augen bei der Gabenbereitung vom Gotteslob erheben, dann sehen wir möglicherweise gerade, wie der Priester oder der Diakon zuerst das Kännchen Wein in den Kelch gießt, und danach ein bisschen Wasser. Absichtlich wird das meist sichtbar vor der Versammlung vollzogen, damit wir den Wein und das Wasser sehen. Doch warum fügt man Wasser zum Wein, wie begann dieser Brauch und was hat er uns heute zu sagen?
Dem Liturgiewissenschaftler Josef Jungmann zufolge geht dieser Brauch schon auf die Zeit Jesu zurück. Es war keine genuine Trinkgewohnheit der Hebräer, sondern der Griechen, aber man übernahm sie von der damaligen „Leitkultur“. Schon aus dem 2. Jahrhundert wissen wir, dass Wasser für die Eucharistie dem Wein beigemischt werden sollte. Doch dann begannen manche strenge Gläubige, überhaupt nur noch Wasser zu verwenden und den Wein wegzulassen. Die Kirche wehrte sich dagegen, denn Jesus hätte schließlich Wein genommen und wir sollten es „zu seinem Gedächtnis“ nachahmen.
Andere, radikale Monophysiten nämlich, wollten nur Wein ohne Wasser trinken, denn Christus sei so sehr Gott, dass die menschliche Natur darin nichts verloren hätte. Auch das wurde von der Kirche abgelehnt. Hier begegnen wir einer ersten Symbolik: Der Wein steht für die Gottheit Christi, und das Wasser für seine Menschheit. Zusammen bilden sie den einen Christus. Eine andere Symbolik ist: Wie der Wein das Wasser aufnimmt, so nimmt Christus unsere Sünden auf sich. Manche fühlten sich schließlich an das Johannesevangelium erinnert, wo Blut und Wasser aus der geöffneten Seite Christi am Kreuz flossen, zu unserem Heil. All dies dürfen wir mitbedenken und betrachten in dem kurzen Moment, wo das Wasser in den Kelch getröpfelt wird.
Einen gesegneten Gottesdienst wünscht, Kaplan Clemens
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