12. April 2026
Liturgie-Serie Teil 3: Der Sonntag

„Acht Tage darauf [d.h. acht Tage nach dem Tag der Auferstehung] waren seine Jünger wieder drinnen versammelt … Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!“ (Joh 20,26) Diese Episode aus dem Johannes-Evangelium ist ein frühes Zeugnis für die Praxis der ersten Christen, sich am Sonntag, dem „Tag des Herrn“/dies dominica zu versammeln (3. Teil unserer Liturgie-Serie). Und es geschieht das Gleiche wie am ersten Ostersonntag: Jesus, der Auferstandene, tritt in ihre Mitte, erscheint vor ihnen, bringt ihnen seinen Frieden. Das ist der Ursprung der sonntäglichen Versammlung der Christen.

Der erste Tag nach dem heiligen Tag der Juden, dem Sabbat („Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!“; Ex 20,8) hat nun für die Jünger Jesu durch dessen Auferstehung eine ganz neue Bedeutung: Es ist der Tag des Sieges über Tod und Sünde. Es ist der Tag der Neuschöpfung. Es ist das Gedächtnis des Neuen Bundes in Jesus Christus. Jesus bringt das Werk Gottes, die verheißenen „Zeiten des Aufatmens“ (Apg 3,20) zur Erfüllung. Jesus führt die Menschheit in die endgültige Sabbat-Ruhe bei Gott ein. Aus diesem Grund versammeln sich die Christen Sonntag für Sonntag, um dieses Ereignis in der Eucharistie zu feiern, aber nicht als etwas lange Vergangenes. Eucharistie am Sonntag ist immer neue, im Heute aktuelle Begegnung mit dem Auferstandenen. Er tritt durch die verschlossenen Türen der Herzen ein, schenkt Frieden, Freude, Mut, erinnert an die Treue Gottes in unserer Geschichte.
Ich bin im fernen Kasachstan Katholiken begegnet, die mit Sehnsucht Hunderte Kilometer mit dem Zug unterwegs waren, nur um eine Heilige Messe mitfeiern zu können, weil die wenigen Priester die weiten Entfernungen nicht bewältigen konnten. „Wir konnten ohne die Heilige Messe, ohne die Eucharistie am Sonntag, nicht überleben“ – so hörte ich es von Gläubigen, die solch schwierige Zeiten in der asiatischen katholischen Diaspora erlebt hatten. Sie gaben dadurch Zeugnis für den Sonntag, für die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen und für den auferstandenen Herrn. Bitten wir den Herrn, dass auch wir wieder neu entdecken, Menschen zu sein, die „dem Sonntag gemäß“ leben.
Herzliche österliche Grüße, Pfarrer Alexander
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